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Kunterbuntes


 meine Enkel   

   

Kleiber, Kraniche und andere Vögel

 

Peter hatte ein Auge für die Vogelwelt. Kein Milan, kein Sperber entging seinem Blick. „Der Papa wird uns eines Tages in den Graben fahren“, sagt Antje als er wieder einmal beim Autofahren auf einen Bussard weist.

  Nachts gegen drei Uhr, wir sind im Frühjahr  in eine größere Wohnung am Helenenhof gezogen, werden wir von dem ansteigenden „tü tü tü tü“ eines Vogels geweckt. Auf dem Rasen im Hof hüpft in großen Sprüngen ein kleiner Vogel, er pfeift „hüid“ und schnarrt „karr“ und dann tönt aus den Büschen eine mal flötend schmetternde, mal schluchzende Melodie Wir kaufen uns eine Schallplatte mit Vogelstimmen. Tatsächlich, auf unserem Hof schlägt die Nachtigall. Ihre Töne vergesse ich nie und jedes Jahr suche ich sie wieder zu hören. So schön wie diese unsere erste, scheint keine mehr zu singen.

   Dagegen macht mir das „gröök, gröök“ des Haubentauchers eher Kummer. Beim Baden verfolgt der kleine gestreifte Jungvogel Peter, springt auf seine Schulter und lässt sich an Land tragen. Er ist verletzt. Vorsichtig setzen wir ihn in eine Schachtel und versuchen, ihn mit der Pinzette zu füttern. Am Morgen ist er tot.

  In der Morgensonne irisiert das Gefieder der Stare. „Guck mal Papa“, sagt die kleine Antje, „schön wie eine Fliege!“

Wir besuchen den Tierpark. Eine dicke Dampfschiffente erspäht uns. Sie verlässt den Teich und folgt den grünbehosten Beinen Peters. Bleibt er stehen, steht sie auch, geht er weiter, folgt sie. Dreht er sich um und spricht sie an, sie legt den Kopf schief und antwortet mit leisen Schnalzlauten. Am  anderen Tag lesen wir in der Zeitung, dass eine Dampfschiffente auf einen Tierpfleger geprägt ist. Aha, die grüne Hose!

Im Kurpark im tschechischen Marienbad beobachten wir einen Mann, dem die Vögel Futter von der Hand nehmen. Das wünschen wir uns auch, kaufen Körner und stellen uns auf. Ruhig strecke ich meine Hand aus, nur nicht zittern! Von der großen Fichte aus werde ich schon beäugt. Da fliegt die erste Blaumeise auf meine Hand, nimmt ein Körnchen und ist schon wieder auf dem schwankenden Ast gelandet. Sie frisst, dass die Schale fliegt und ist gleich wieder da. Ich seh ihr ins dunkle Knopfauge und spüre kalte Füßchen. Die mutigen Kohlmeisen nehmen gleich mehrere Körnchen. Der Grünfink bleibt auf der Hand, knackt den Sonnenblumenkern, so dass die Schalen zu beiden Seiten aus dem Schnabel flutschen. Als letzter kommt der gedrungene blaugraue Kleiber. Das ist mir eine besondere Ehre. Habe ich doch schon seit Jahren seine Kopfabwärtskletterei und sein Geschick beim Öffnen harter Samen bewundert. Er ist vorsichtig, fliegt mich an, schnappt ein Korn und ist schon wieder davon.

    Vor Schwänen fürchte ich mich. Im Winter an der Ostsee lassen manche Leute sie aus der Hand fressen. Da bin ich vorsichtig. Ich erinnere mich wie wir im Frühjahr einen Weg am Scharmützelsee nur mit Hilfe eines ausgeborgten Ruders passieren konnten, weil ein aufgebracht zischender Schwan uns nicht vorbei lassen wollte. Die Schwäne am Hönower Hechtsee sind Nähe gewöhnt, lassen sich gleich hinterm Zaun von allen Gästen des Sommergartens ins Nest schauen.

    In einer kleinen Strandbar auf den Malediven holen wir uns eine Erfrischung. Da erscheint ein großer Silberreiher, schreitet durch die Bar und holt sich an der Küchentür einen Fisch ab. Dann stolziert er ruhig zurück an den Strand. Seine Gangart beeindruckt mich, am Abend versuche ich sein Staksen mit zurückgelegten Armen und hochgereckten Knien. Elegant ist das sicher nicht, grienend sieht Peter mir zu.

   Wir sind zu den Störchen nach Linum gefahren. Dächer, Kirchturm, Masten tragen mit Jungstörchen besetzte Nester. In der Luft aber ein anderes Tönen, Kraniche. Sie tanzen am Himmel  über den Wiesen, tausende. Mit dem Elektroboot der Naturschutzstation begeben wir uns über alte Torfgräben weit hinein in ihr Revier, ins Luch, eine schöne abgeschiedene Welt. Über dem Wasser schaukelt das kunstvolle Nest der Beutelmeise. Aus dem Schilf schwimmt ein Biber direkt auf uns zu, dreht eine Runde, „was wollt ihr denn hier“? Ich kann seinen Bart und die braunen Augen sehen, dann verschwindet er und wir biegen in einen Seitenarm ab, Kraniche, Störche auch Seeadler, immer neue Ausblicke.

   Am Abend fahren wir wieder zurück und dann sehen wir sie noch einmal, auf den Feldern, rastende Kraniche. Die weißgrauen kräftigen Körper rund gebogen, suchen sie mit schwarzen langen Hälsen nach Futter. Manchmal richtet sich einer auf und zeigt uns seinen leuchtend roten Scheitelfleck. Uns sehen sie nicht, wir haben das Auto langsam ausrollen lassen und schauen aus dreißig Meter Entfernung. Sie würden, wenn wir ausstiegen, sofort auffliegen Es werden sogar noch mehr, sie kreisen über den Feldern und landen in elegantem Bogen bei den anderen. Groß und weiß ist der Mond aufgegangen. Da zieht eine Kranichkette, scharf abgesetzt vor der leuchtenden Scheibe, vorbei. Na so was, das gibt`s ja eigentlich nur im Film!

 

Unsere Katzen ( in mehr als 30 Jahren)

 

Unser erster Kater hatte blaue Augen. Wegen seiner vornehmen Abstammung nannten wir den Langhaarigen Erasmus. Er war ein gieriger Allesfresser. Eingepacktes Fleisch wickelte er aus, auftauende Hühner waren nicht sicher und Fisch seine in unserem Land preisgünstige  Lieblingsspeise. Von letzterem wusste er natürlich nichts und auch nichts von der inzwischen entstandenen Tierfutter- und Verwöhnindustrie für bundesdeutsche Haustiere. Was da in einer unglaublich umfangreichen Vielfalt auf dem Markt ist, kann man angesichts hungernder Kinder in der Welt nur als pervers bezeichnen.

Indessen hatte der Kater seine Vorlieben für bestimmte Speisen entwickelt. War nicht das Gewünschte im Napf, streikte er, legte sich mit gelangweilter Miene auf die Küchenschwelle und schlug mir die Pfote mal eben im Vorbeigehen in die Wade. Das wiederholte sich einige Male. Ich werde mich doch nicht von einem Kater dirigieren lassen! Aber, du ahnst es schon, der Kater gewann immer.

Die Ferien verbrachten wir stets bei den Eltern in Rostock. Antje, Peter der Vierte und Erasmus kamen im Auto auf die Rückbank. Erasmus an langer Leine dekorierte zur Freude anderer Reisender die Hutablage. Aber wehe unser Auto, Archibald der Orangene wurde schneller als siebzig, dann sprang der Kater laut schreiend unter einen Sitz und hörte erst wieder  auf, wenn die Geschwindigkeit gedrosselt wurde.

Am Strausberger See verbrachten wir in einem kleinen Bungalow einige Ferientage. Antje übte sich im Radfahren, Peter der Vierte kugelte durchs Gelände. Peter der Erste. beeindruckte die anwesenden Schüler durch Umstürzen eines mittelstarken Baumes. Morsch war der, aber das haben die Kinder nicht bemerkt. Mit Ausdauer tauchte Vater Peter im See nach alten Tonflaschen, die ich von Algen befreite und die seitdem gemeinsam mit angejahrten Kaffeeflaschen aus Körkwitz, darüber erzähle ich später, meine Küche schmücken. Bis heute hält mir der Sohn vor, dass ich sein erstes Tauchergebnis, ein angeschlagenes Töpfchen sofort als untauglich wieder in den See warf.

 Das der Vater später den Tonflaschenvorrat noch durch ein Kneipentauschgeschäft erweiterte, war dagegen mir nicht recht .Jahrelang hatte er eine eiserne Spitze im Schotter des Schulhofs beobachtet. „Das ist bestimmt ein Bügeleisen.“ Mit einer Spitzhacke gräbt er schließlich ein altes Kohleeisen aus und fügt es als besonderes Fundstück in unsere bunte Küchensammlung ein. Nun war es also weg. „Machst du solche Sachen?“ Ich lege  einen Zettel ins Küchenregal: „Hier stand ein Bügeleisen!“ und kaufe mir zum Ausgleich schicke Stiefel im Exquisit, ein teurer Sonderladen in der DDR.

Kater Erasmus, an langer Leine gesichert, schlief  in der Sonne, wälzte sich im Gras und führte ein faules Leben. Nachts blieb die Tür offen, wir schliefen, der Kater wachte vor der Tür. Da, jäh weckt uns ein Geschrei, wir stürzen hinaus. Über dem Kater kreist ein Uhu, zwei Paar phosphoreszierende Augen giften sich an. Der Kater kreischt, der Uhu schreit, wer wagt sich da in sein Revier, er dreht eine Runde, dann lässt er sich drei Meter über dem Kater auf einem Kiefernast  nieder. Weilchen vergeht, der Uhu kreist, jetzt etwas tiefer. Der Kater kreischt, der Uhu schreit, er dreht eine Runde, dann läst er sich funkelnd auf zwei Meter Höhe nieder. Wir nehmen den Kater ins Haus, Tür zu, er faucht wütend, warum muss er das Revier  verlassen? Das versteht er nicht! -  Er hätte an der Leine alt ausgesehen, und es war nicht sein Revier. -

Sein  Revier  war unsere Wohnung mit allen Fenstern und dem Balkon. Er scheute sich nicht, es zu  markieren, das erste Mal zur Freude unserer Gäste,  als er als stolze Neuerwerbung vorgeführt werden sollte. Ich fand das gar nicht komisch. Diese Unsitte konnten wir ihm nie ganz abgewöhnen. Wenn ihm etwas nicht passte,  teilte er uns seinen Ärger deutlich mit.

  Auf Handwerker reagierte er mit Vorsicht. Er räumte das Feld. Lange haben wir in allen Schränken gesucht. Der Kater schien verschwunden. Wir sitzen in der Küche und rätseln, was nun zu tun ist, er scheint die Wohnung verlassen zu haben, da rappelt es im Herd. Der Vater öffnet die untere Lade. Aus der großen Schmorpfanne blinzeln uns sieben Kilo Kater an. Wir müssen lachen. Er steigt gravitätisch aus der Pfanne.

Der Kater wurde kastriert, anders geht es nicht, wenn er mit uns in der Wohnung lebt. „Sind alle einverstanden?“ fragt der Tierarzt. „ Natürlich“, sagt der große Peter.  „Der Kater auch ?“ Wir müssen zugeben, wir haben ihn nicht gefragt.

Die Nachfolger von Erasmus werden Polly und Pascal, ein Karthäuserpärchen, silberscheinendes Grau, bernsteinfarbene Augen. Schüchtern sind sie, fürchten sich vor jedem Hauch. Ihre Mutter wurde von einer eifersüchtigen Altkatze verfolgt. Die Jungen haben flüchten erlernt und das gründlich. Sie lehnen jede Annäherung durch uns ab. Klingelt es  an der Wohnungstür, sind sie lange Zeit verschwunden. Alles machen sie gemeinsam, liegen als Doppelpäckchen im Regal, auf der Sessellehne, auf dem Toilettendeckel, in der Obstschale. Diese wird  Lieblingsschlafplatz und wir kaufen später eine zweite, weil nicht mehr beide zusammen hineinpassen.

Geht eine Katze zur Futterschale, guckt sie sich um, ob die andere auch folgt. Sie suchen sogar gemeinsam die Katzentoilette auf. Es dauert ein halbes Jahr bis die Katzen bereit sind, sich von uns anfassen zu lassen. Der dicke Pascal liegt mit Vorliebe neben Vater Peter und lässt sich kraulen. Polly streift um die Stuhlbeine, macht einen Buckel und mit ausgestrecktem Arm schaffe ich es mühsam, sie zu streicheln. Im Gegensatz zu Erasmus,- der nie kam, wenn man ihn rief, er blinzelte nur und war damit zufrieden, wenn er uns sehen konnte-, hören die Katzen.

Ich rufe, „Polly“, sofort geht es klapp, klapp, klapp über das Parkett heran, kleine Zeit später erscheint mit gewichtigem Schaukelschritt  Pascal. Rufe ich ihn mit seinem Namen, kommt er nicht. Er hört nur auf Polly. Na macht nichts. Daran bin ich gewöhnt, dass zwei auf einen Namen reagieren.

Über das Innenleben von Tieren ist noch wenig bekannt. Von Hunden weiß man, dass sie sich eng an ihren Rudelführer Mensch anschließen. Unser Kater hat eine Seele. Als der Vater ins Krankenhaus muss, scheint zunächst alles wie gewohnt zu laufen. Dann dauert es Pascal zu lange, er protestiert und pinkelt in die Ecke. Alle Versuche, ihn davon abzuhalten, scheitern. Er hört sofort auf, als Peter wieder zu Hause ist. Bei jeder neuen Krankenhausbehandlung wiederholt sich das Verhalten. Ich schimpfe nicht, beseitige den Schaden, wir leiden stumm gemeinsam. Als Peter gar nicht mehr kommt, pinkelt der Kater ins Bett.

Einige Monate später ziehen wir in eine kleinere bezahlbare Wohnung. Die Katze kommt zurecht. In kurzer Zeit hat sie die Räume erkundet und auch die obere Wohnetage erobert. Pascal benötigt  drei Wochen, ehe er in Etappen über mehrere Tage Schritt bei Schritt und Stufe für Stufe die Wendeltreppe hinaufsteigt. Zuletzt steht er aufgereckt auf der vorletzten  und sieht sich so das Oberstübchen an. Dann kommt er wieder herunter. Am nächsten Tag bezwingt er die Hürde.

Dann mache ich einen folgeschweren Fehler. Ich reise nach Mexiko. Ich reise für uns beide. Solche Reise hatte ich vier Jahre zuvor gewonnen und dann an die Tochter verschenkt, weil wir sie nicht mehr antreten konnten.

Die Katzen bringe ich indessen in die Pension, aus der sie stammen und in der sie häufig gut betreut worden sind. Dieses Mal kommen sie abgemagert und ausgetrocknet zurück. Beide Katzen müssen an den Tropf. Der Kater schafft es nicht. Ich glaube, er ist aus Kummer gestorben.

Polly sucht den Kater. Sie ruft nachts nach ihm und schließt sich eng an mich an. Wenn ich das Haus verlasse, sitzt sie stumm auf dem Flur und sieht mich eindringlich an, „ gehst du schon wieder weg?“ Ich gehe  traurig und mit schlechtem Gewissen. Polly braucht einen Gefährten. So  fasse ich einen Entschluss, ein neuer Kater muss her.

Er sieht lustig aus mit seinem weißen, schwarz betupften Fell. Ich nenne ihn Tibby Klecks.

Da habe ich mir was eingebrockt. Das Katerchen ist nicht zu bremsen, pausenlos durchsaust es die Wohnung, schmust bis zur Aufdringlichkeit und  ist  mir auf den Hacken. Polly aber lehnt den Neuen ab. Jede seiner immer vorsichtigeren Annäherungen wird von ihr mit giftigem Fauchen abgelehnt und es setzt Ohrfeigen.  „Nicht einmischen, “ hat die Züchterin gewarnt. Ich halte mich daran und fühle mich schlecht vor Ratlosigkeit. Schließlich verlasse ich genervt die Wohnung. „ Und nun? Soll ich den Kater zurückbringen? Was für eine Blamage!“ Lange laufe ich durch die Wiesen, beruhige mich, in meinem Kopf arbeitet es, ich entwickle mein Erziehungsprogramm. Damit wir zum gewohnten Leben zurückkehren können, wird der Neue mit Spielzeug abgelenkt. Wenn er auf mein energisches „Nein“ nicht reagiert, weil er gerade mal wieder auf einem Blumentopf herumturnt, auf die Computertasten springt, sich an mein Essen heranmacht, bekommt er eine Dusche mit der Blumenkanne. Gibt er immer noch nicht auf, wird er in der Küche eingesperrt. Siehe da, die Sache macht sich. Der hartnäckige Kater nähert sich mit Vorsicht der Katze und springt ihr nicht mehr übermütig auf den Rücken. Nach einer Woche läst sie sich auf sein Spiel ein und jagt mit ihm herum. Sie frisst wieder und hat ihr seidenweiches Fell zurückbekommen. Als ich sehe, Polly schläft als graue Umrahmung um den weißen Katerkringel, atme ich auf. Es wird noch dauern bis aus dem verrückten Halbstarken eine gesittete Rentnerkatze geworden ist.

Wir lernen, zu dritt zu leben.

                                                                                                                                         

Ärgerliche Pannen, freundliche Menschen

Sie sind bei uns nicht versichert, sagt die Frau am Telefon, der ich Autonummer und Schaden melden will.Was haben Sie für ein Auto?  Sie sucht, findet meinen Namen und meinen versicherten Golf. Wir lachen, weil ich ihr aus  alter Gewohnheit das Kennzeichen von meinem alten Beatle ansagte. Der ist vor einigen Jahren verschrottet worden und hat sich nun wieder in Erinnerung gebracht.                                                                                                                                                                            Es mag zehn Jahre her sein als er nach dem Aufschließen, statt zu starten Ram-bam-bam-bam  sagte  und mehr nicht. Neuer Versuch: Ram-bam-bam-bam! Radio aus, Blinker auch: Ram-bam-bam-bam!  Also mache ich mich  auf zur Autowerkstatt. Meister Klemusch kontrolliert,  startet, Ram-bam- rrrrrrrrrrrrrrrrr schnurrt das Auto.  Mir ist die Sache peinlich:  Ich weiß nicht, ob ich mich nun freuen soll?   Schmunzenld meint der  Meister, dass  so etwas vorkommen kann und wer weiß schon, wie die Hitze sich auswirkt, wir werden das beobachten!                                                                                                                                                             Zwei Tage später. In Hönow auf der Hauptverkehrsstraße gibt das Auto  plötzlich ein spitzes Warnsignal, die Öllampe blinkt, der Motor geht aus. Mit letzter Kraft rollt das Auto halb schräg von der Straße, Vorderteil auf dem Grünstreifen, Hintern auf der Fahrbahn. Warnblinkanlage, Warndreieck, kein Handy! Bitte helfen sie mir, bitte ich den jungen Mann, der auf seinem Balkon wirtschaftet. Er ruft den ADAC an.                                                                                                                                                     Nach einer halben Stunde ist der Gelbe da. Der Fachmann startet mein Auto - Ram-bam- rrrrrrrrrrrrrrrrr- es springt an!Solche Situation scheint dem ADAC-er  nicht neu zu sein, er schaltet die elektronische Fehlersuche an und findet  den Übeltäter. Ich bekomme ein Protokoll, werde zur Werkstatt geleitet.                                                                                                                      Das richtige Ersatzteil wird bestellt, im Laufe des Tages ein Kurbelwellensensor  gewechselt und  dann  kann  ich wieder losfahren. Was so ein Ersatzteil von VW kostet, sage ich lieber nicht.                                                                                                                 Ein anderes Mal zieht der Monteur nach einer erneuten Panne die Reste einer Elster unter der Motorhaube hervor, die hat ein Marder versteckt und gehortet. Persönlich hat er sich nicht vorgestellt. Der Meister meint: Wenn Sie nachts immer am gleichen Parkplatz stehen, passiert nichts. Der Marder wohnt da, hat sich das Auto als Revier erwählt, daran vergreift er sich nicht.  Ich vertraue ihm und versuche nicht, den Untermieter zu verjagen.So fällt mir auch nicht ein, ihn wegen der zunehmenden Pannen zu verdächtigen. Mein Auto ist betagt, zeigt Altersschwächen und hat sich genau wie ich ein paar Macken zugelegt.

Heute allerdings habe ich  beim Spurwechsel den ankommenden Audi übersehen und seitlich gestreift. Stopp! Mit zittrigen Knien steige ich aus. Wider Erwarten sieht mich der andere Fahrer ruhig an und sagt: Sowas kann passieren, niemand ist  verletzt worden, es ist nur Blechschaden entstanden, da gibt`s  Schlimmeres.  Machen Sie die Warnblinkanlage an, setzen  Sie sich ins warme Auto, ich rufe die Polizei. Ich warte ängstlich. Wenig später kommt er zurück: Die kommen gleich! Er beruhigt mich erneut und bringt mir etwas zu trinken.                                                                                                                                                         Die Polizisten reagieren ebenfalls freundlich: Das kann jedem passieren, das liegt am toten Winkel. Mit fliegenden Fingern versuche ich den Unfallbogen auszufüllen, sie nehmen mir den ab und tragen selbst die Daten ein. Ich bedanke mich.

Ein Nachbar hat den Unfall beobachtet. Seine Frau bringt mir wenig später Blumen, damit es mir wieder besser geht!

  Einen Tag lang bleibe ich zu Hause, dann fahre ich wieder los, denn das weiß man ja, wer vom Pferd gefallen ist, der soll sofort wieder aufsitzen.

 


Der Wunsch ist der Vater des Gedankens

Dieses geflügelte Wort geht auf eine alte Erkenntnis zurück. Schon bei Demosthenes heißt es, „was er wünscht, das glaubt auch ein jeder“.   Kann sein, dass es so ist, kann aber auch nicht sein. Zumindest  trifft es wenig zu, wenn es sich um Wünsche für andere handelt.                                                                                                                                                                                 Mein erster Lehrer Joachim S. schenkte mir 1947 zum siebten Geburtstag ein Poesiealbum und trug das Goethewort ein, „ Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange, ist sich des rechten Weges  wohl bewusst“.                         

Erst zehn Jahre später, wir behandelten „Faust“, verstand ich, was Herr S. mir sagen wollte, aber ob er darüber nachgedacht hatte, als er das einer Achtjährigen schrieb?   

     Andere Wünsche waren deutlicher, wenn auch nicht unbedingt gedankenschwer.                                                                         „Unter Rosen soll dein Leben fließen wie ein Silberbach, und der Himmel soll dir geben, was dein Herz nur wünschen mag.“                                                                                                                                                                                               „Vergesse nie die Heimat, wo deine Wiege stand, du findest in der Fremde, kein zweites Heimatland“.                                             „Genieße still zufrieden den sonnigheitren Tag, du weißt nicht ob hienieden ein zweiter kommen mag“.                                         Drei Englein mögen dich begleiten, auf dieser kurzen Lebenszeit und die drei Engel,die ich meine sind Liebe,Glück, Zufriedenheit."                  

   Das alles  sind abgeschriebene Reime, die in all diesen mit Lackbildchen verzierten Büchlein auftauchten, über den Inhalt dachten wir nicht nach. Beliebt waren sauber gemalte Verschönerungen.                                                                                                 Brigitte zeichnete einen Zwerg mit Glockenblume und Schmetterlingen und setzte dazu, „wie wolltest du dich überwinden, kurzweg den Menschen zu ergründen, du kennst ihn nur von außenwärts, du siehst die Weste nicht das Herz“. Damals freute ich mich über das Bild, der Spruch hatte zwar keinen Bezug dazu, aber das war mir egal. Heute denke ich, „sollte ich vorsichtig mit meinem Vertrauen sein?“ Das war ich nie und ich bin damit gut gefahren, aber war das der Wunsch von Brigitte? Wahrscheinlich hat sie den Spruch genauso wenig verstanden wie ich.                                                                                                                                        Die Eintragungen der Erwachsenen waren auch keine Hilfe. Die Russischlehrerin schrieb: „Der eine fragt, was kommt danach? Der andre fragt nur, ist es recht? Und also unterscheidet sich der Freie von dem Knecht.“- Lange habe ich nicht gewusst, wer denn nun der Freie ist, war es nicht wichtig zu fragen, ob es recht sei?                                                                                                                   Auch den Wunsch vom Lehrer W. verstand ich nicht. „Was du heute nicht getan, morgen kommt dir´s sauer an; (sauer? wieso sauer? was hat das mit sauer zu tun?) fröhlich macht ein rüstig Tun, (rüstig? rüstig sagt man auf alte Leute) schuld´ge Pflicht (was ist das?), sie lässt nicht ruh´n.“                                                                                                                                                               Meine liebste Lehrerin schrieb, „Große Gedanken und ein reines Herz, das ist es, was wir von Gott erbitten sollen“, so sagt Wolfgang von Goethe. Liebe Edda, wenn Du groß bist, dann wirst Du diesen Satz ganz verstehen. Dann handle so! Ich war darüber ein bisschen beleidigt, wieso dachte sie, ich könne das noch nicht verstehen? Heute gebe ich ihr recht.

   Nehme ich mein altes Poesiealbum zur Hand, freue ich mich über Sinn und Unsinn dieses Sammelsuriums.

„Viele Wünsche gehen in einen Sack“, sagt ein Sprichwort, das trifft es.  Denn, nicht immer ist der Wunsch, Vater des Gedankens  wie auch der Gedanke nicht  Sohn eines Wunsches sein muss.

 

              

Schönheitswunsch und Schönheitswahn

JuliZeh,deutsche Schriftstellerin, geboren 1974: Wie wollen wir denn nun sein, stark,schön und erfolgreich - oder edel,hilfreich und gut? 

Die Spinne hat ein großes Netz in meine Balkontür gehängt. Auf dem Rahmen wartet versteckt und geduldig die dicke Kreuzspinne. Gleichmäßige Fäden ziehen von innen nach außen, halten kreisförmige klebrige Fangfäden. Regentropfen hängen daran, funkeln im Licht.Ein schönes Netz, das möchte ich erhalten und betrete nur noch mit Verbeugung meinen Balkon.Die Spinne mit ihrem Kunstwerk ist erfolgreich und zugleich hilfreich für mich gegen die lästigen Fliegen. Von edel und gut  weiß sie nichts, sie will fressen.Ist sie schön? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Sie entspricht nicht unbedingt den menschlichen Vorstellungen von Harmonie und Schönheit und vielen flößt sie Abscheu und Entsetzen ein. Verdient hat sie das nicht. Ich schone ihr Netz und fühle mich gut.

Ich befrage Freunde: Wie wollen wir denn nun sein: stark schön und erfolgreich - oder edel,hilfreich und gut?

Dagmar:Ohne dass ich es will, und ich würde es wollen, bin ich alles!Stark - rückblickend habe ich so viel geschafft und erreicht in meinem Leben, bin aus so manch einer schwierigen Situation gestärkt hervor gegangen.Schön - was heißt das? Ich kann in den Spiegel schauen und mich anlächeln, nicht jeden Tag, und bin ganz zufrieden. Erfolgreich- wenn die Schüler sich freuen mich zu sehen, dann fühle ich mich so.Edel- mit dem Wort kann ich nicht so viel anfangen.Hilfreich und gut -bin ich. Ich kann mich in andere hinein versetzen, helfe sehr gern und ich achte darauf, dabei auch gut zu mir selbst zu sein.

Carla:Du nun wieder. Ich denke noch ein bisschen drüber nach, aber spontan fällt mir ein:Von allem in Maßen, das „oder“ kann eigentlich weg.

Martina:Ich denke, es lässt sich besonders gut edel und hilfreich sein, wenn man stark und erfolgreich ist. Schön sind wir ja sowieso!

Renate:Liebe Edda, eine schnelle Antwort, ohne groß darüber nachgedacht zu haben: Wenn man jung ist, will man das erste. Wenn man alt ist, begnügt man sich einsichtig mit dem letzteren.

Amrei:Ich möchte edel, hilfreich und gut sein. Das sehe ich als das Wichtigere und Rang-Erste. Daraus kann sich dann ergeben, auch stark schön und erfolgreich zu werden, aber nicht zwangsläufig. Umgekehrt geht das schlecht …

Steffi:Ich möchte sooooooo gern alles sein: Stark im Willen. Schön im Geist. Erfolgreich leben. Edel im Herzen. Hilfreich im Umgang mit meinen Nächsten. Gut zu mir selbst.

Hannelore:Interessante Frage. Bestimmt geht beides, aber dauert viel länger. Darum könnte man sich vielleicht auch im Wechsel um diese Sachen kümmern.

Dieter: Meine Gedanken darüber: Man sollte stark sein, denn in dieser Gesellschaft muss man stark sein, das spüre ich bei der Arbeit am eigenen Leib. Man sollte hilfreich sein. Wenn man es ist, dann zeugt das auch von einer gewissen Güte.Ich kenne da noch einen Vers: "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", weiß jetzt aber nicht woher der stammt. Wir sind ja auch so erzogen worden, sei es in der Schule oder im Elternhaus. …

Ingrid:Heute wird schön mit sexy und stark mit gut gleichgesetzt. Du kannst dumm sein, musst dich nur gut verkaufen können. Ohne selbstbewusstes Auftreten kommst du nicht weit.Wir haben Werteverfall.  Edel, hilfreich und gut ist nicht mehr aktuell, gehört in die alte Zopfzeit.

Anne:Hallo Edda, eine interessante Frage, hab mehrere Tage darüber nachgedacht. Mir ist niemand eingefallen, auf den alle Eigenschaften zutreffen. Zumindest nicht im irdischen Leben….Solche Einschätzung ist ja auch sehr subjektiv Was einer als schön und gut empfindet, ist für den anderen hässlich und schlecht. Ich glaube nicht, dass ein Mensch auf Erden all diese Eigenschaften für sich in Anspruch nehmen kann.

Werner: Manchmal fällt mir das tiefgründige Denken schwerer als das Lesen. Und so habe ich bei Tucholsky folgendes gefunden:        „Das Ideal. Jedes Glück hat einen kleinen Stich                                                                                                                                Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.                                                                                                                                        Dass einer alles hat: Das ist selten.“

Und Du , wie willst Du sein, stark, schön und erfolgreich - oder edel, hilfreich und gut?

 

 

Mahlsdorf - City

Im Wartezimmer der Zahnärztin liegt ein Heft über Zahnimplantationen aus. Die Abbildungen schrecken mich ab, ich lege das Heft sofort wieder beiseite. Da sehe ich lieber der Turnerei einer Nebelkrähe auf dem Oberleitungsmast der Straßenbahn zu, schade nun fliegt sie auf.

Wie eine Kanzel hängt das Wartezimmer über der Ecke an der Hönower Straße.

Zu sehen gibt es genug.

Menschentrauben an der Ampel!

Grün - entlässt sie frierende Menschen, die die Hände bis an die Ellenbogen in die Taschen versenkt haben. Nur wenige haben sich mit Mütze oder Kapuze auf das kühle Herbstwetter eingestellt. Ein Jogger windet sich durch die Eilenden, hat er keine bessere Strecke? Denn hier ist, so haben es jedenfalls vor Jahren meine Schüler gesagt, Mahlsdorf City. Damals habe ich darüber gelacht. Heute kommt mir die Bezeichnung nicht mehr so abwegig vor. Das Leben pulst an dieser Straße.

Rot - es sammelt sich die nächste Traube, ausgespuckt von Straßenbahn und Bus. Leer gähnt nur die Telefonzelle, leer auch die Wartehalle stadtauswärts. Über die Brücke donnert eine S-Bahn.

Darunter - ein Bus, wird auf der bedrohlichen Fahrbahnseite von Schülern mit Gepäck bestückt. Also die gehen auf Reisen, schade, ich weiß nicht wohin sie wollen. Das erfahre ich auch nicht von den abrollenden Bussen. Außer der Liniennummer steht an allen: „S-Bahnhof Mahlsdorf.“ Aber das ist doch hier! Habt ihr Fahrer die Anzeige nicht gewechselt oder kreist ihr in großen Runden?

Das ältere Pärchen schiebt mit Rädern auf dem Gehweg, vernünftig denke ich, ohne Radweg würde ich mich auch nicht durch den dicken Autoverkehr wagen. Ein junger Mann radelt selbstsicher, mit Helm bestückt, vorüber. Über die hochbetagte Frau, die schwankend und schlenkernd folgt, denke ich, wie kann sie nur, das ist gefährlich und Helm hat sie auch nicht.

Viele Räder vor dem Bahnhof, dicht an dicht gedrängt, warten auf die Rückkehr ihrer Besitzer.

Mit ihnen warten die fahrenden Händler an Ständen mit Obst, im Wind flatternden Nachthemden, Taschen, Pantoffeln sowie anderen Verlockungen.

Wieder freie Fahrt für Autos, zwischen ihnen eine Kehrmaschine. Und dann drängt sich mit Sondersignal und Blaulicht ein Krankenwagen hindurch und vorbei.

Inzwischen ist die Sonne höher gestiegen, lässt den roten Giebel gegenüber aufleuchten, sie wärmt nicht mehr, aber ein Hoffnungsfroher begrüßt sie kurzärmlich, oder hat er den Wetterbericht nicht beachtet?

Der Himmel blaut über Mahlsdorf, nur gegen den Horizont zeigt er das verdächtige Grau der Dunstglocke über der Großstadt.

 

 

Ich das Kochtalent

Wer probiert, experimentiert und dabei Schmackhaftes zustande bringt, hat Kochtalent; wer Rezepte sammelt, sorgfältig ordnet und nachahmt ist fleißig und zum Kochen tauglich, hat er Talent?

Meine Kochkünste halten sich in Grenzen. In meiner Kinderzeit wurden Lebensmittel zugeteilt. Beim Einkauf wurden die kostbaren Schnipsel von der Lebensmittelkarte abgeschnitten, waren sie verbraucht, gab es bis zum Monatsende nichts mehr. Sorgsam wurde eingeteilt und gespart. Ob das der Grund war, weshalb ich von der Mutter nicht zum Kochen herangezogen wurde oder ob sie mir nichts zutraute, kann ich nicht sagen. Sie kochte, verwertete alles; jeder Suppenknochen wurde aufgehoben und ein zweites Mal verwendet.

Als ich achtzehn Jahre alt war,  ging es zum Studium in eine andere Stadt. Das Essen kam im Internat fertig auf den Tisch, wir waren höchstens als Gemüseputzer in der Küche zugelassen.

Mit Dienstantritt allein in fremder Stadt begannen meine ersten zaghaften Versuche auf winzigem Kocher. Dabei verließ ich mich auf das Kochbuch meiner Großmutter. Es stammt aus der Zeit um 1890 und enthält Anleitungen für die junge im Kochen unerfahrene Hausfrau. Schon die Einleitung zu lesen ist ein Vergnügen, wirft aber auch ein Schlaglicht auf die frühere Rolle der Frau:

 

Das Kochen ist eine Kunst und wer sie lernen will, muss vor allen Dingen d e n k e n; auch bei der einfachsten Thätigkeit soll der Mensch seine Gedanken beisammen halten, dazu hat er seinen Verstand; wer aber k o c h e n, d.h. Speisen zur Ernährung und Erhaltung von Menschen vernünftig zubereiten soll, muß seine Geisteskraft d o p p e l t anstrengen, denn „aus dem Kochherd zieht die Menschheit ihre Kraft!“ Die Hausfrau, die junge Tochter, die Köchin, sie haben alle eine große und schöne Aufgabe, aber auch eine gewaltige Verantwortlichkeit.

 

Diese gewaltige Verantwortlichkeit hat mir mein Ehemann abgenommen, der mit Vergnügen Leckeres zauberte  und die Küche in ein Schlachtfeld verwandelte. Ich schaffte wieder Ordnung.

 Meine eher bescheidenen Beiträge in der Familienspeisung kamen nie besonders gut an. Eines Tages sagte der kleine Sohn: „Mama koch doch nicht mehr!“ „ Ja aber warum denn nicht?“ „Papa meckert immer!“ Da habe ich die Sache endgültig aufgegeben und nur noch Hilfsarbeiten in der Küche verrichtet.

Die Kinder sind lange aus dem Haus, vor einigen Jahren ist mein Mann gestorben. Nun müsste also wieder kochen angesagt sein.

Großmutters Kochbuch ist noch da. Ich halte es in Ehren, habe es sogar neu binden lassen. Was denkst du, was ich sonst noch damit mache?

 

 

Alles hat zwei Seiten

Wirklich alles?

Was ist mit der Kugel?  Drehe ich meine Kristallkugel, zeigt sie stets das gleiche - ein kopfstehendes, durchscheinendes, leicht verzerrtes Bild. Nur wenn ich um sie herum gehe, scheint ein anderes Bild durch sie hindurch. Die Kugel aber verändert sich nie, sie ist vollkommen.

Meine marmornen Kugeln  haben ebenfalls nur eine Seite, wenn auch die farbige Maserung  mehrere

Seiten vortäuscht. Eine Hohlkugel müsste ich zerstören, wollte ich ihre innere Seite sehen.

Die Gitarre dagegen hat eine Vorder- und eine  Rückseite. Daran denke ich nicht, wenn ich von ihren Saiten spreche, es sind sechs. Ihre ideellen Seiten sind kompliziert, einerseits kann die Gitarre mit ihrer Musik verzaubern, andererseits kann ihr stümperhafter Gebrauch zur Verzweiflung treiben.

Und da gucken ehrlicherweise zwei meiner Seiten heraus, die eine ist der Wunsch nach Vollkommenheit, die andere schlechthin Faulheit.

Es hilft nichts, wenn ich mich um mich drehe oder wenn du um mich herum läufst, ich bin und ich werde nicht vollkommen, die Faulheit aber….

 

 

Alter Brauch

Vor dem Cafe Sybille in der Karl-Marx-Allee sitze ich mit meinem Eis und betrachte die vorbei laufenden, fahrenden, eilenden. Es nähert sich ein Radfahrer in Zimmermannstracht, den ich versunken - früher sah ich euch häufiger - betrachte. Entgegen der bekannten breitkrempigen Hüte trägt er einen kleinen runden mit schmalem Rand, ein bisschen wie Chaplin. Er sieht mein neugieriges Auge, lächelt mich an und lächelt vorbei.  Ein Glücksmoment, zwei Menschen sind sich begegnet.  

 

 

 Kräuter- Heinrich

Heinrich war der ältere Bruder meiner Mutter. Ich kannte ihn nur von Bildern, vom Erzählen und später aus einem intensiven Briefwechsel.

Das meiste, was er wusste, hat er sich selbst beigebracht. In der einklassigen Holzpantinenschule in Ostpreußen wurde nur schreiben, lesen und rechnen gelehrt, regierte der Rohrstock und  von Jahreszeiten abhängig wurde die Zeit genutzt,  dem Lehrer in seiner kleinen Landwirtschaft zu helfen.

Heinrich ging nach der Schule, um Arbeit zu finden, ins Ruhrgebiet, wurde Schneider. Die Sehnsucht nach Wald, Wasser, Feld reiste mit, auch sein Drang nach Wissen über Gesetze und Zusammenhänge des Lebens.

Er heiratete Esther, wurde nicht glücklich mit seiner Frau, sorgte aber für seine Tochter und hat der Ute Studium und Ausbildung zur Lehrerin ermöglicht. Wir kamen in Kontakt, als er für sie um Unterrichtshilfen und Schulbücher aus der DDR bat, von deren hoher Qualität er gehört hatte.

Alt geworden, zog er mit seiner Mutter in ein Häuslein, klein, klein, winzig klein, ins Oberbergische Land. Nun begann sein wahres Leben. Er sammelte Kräuter, prüfte ihre Wirkung, hängte sie zum Trocknen an die Deckenbalken, kurierte seine Mutter, sich selbst, seine Schwestern und alle Nichten und Neffen, wenn sie es denn zuließen.

Ein reger Briefwechsel entwickelte sich zwischen uns, ich war  als Biologielehrerin für ihn ein willkommener Gesprächspartner, gegenseitiger Austausch entstand. Immer wieder erkundigte er sich bei mir nach biologischen Sachverhalten. „Wie ist das menschliche Erbgut aufgebaut, was sind Aminosäuren, stimmt es, dass es nur zwanzig davon gibt und dass sie zum Aufbau jedes Lebewesens ausreichen?“ Wie ein Schwamm saugte er auf, was er nur erfahren konnte und baute es in sein selbst gebasteltes Weltbild ein.

Ich holte mir Rat von ihm bei hartnäckigen Krankheiten in meiner Familie und gebe bis heute davon auch an andere weiter. Damals dachte ich, es eines Tages im Ruhestand auch zu probieren, Kräuterfrau zu werden. Es ist aber alles ein bisschen anders gelaufen und statt Kräuter zu sammeln, schreibe ich heute Geschichten, erzähle, was ich erlebt habe, erinnere mich:

Ich befrage den Onkel, „Was mach ich gegen die hartnäckige Bronchitis von Tochter Antje?“ Er schickt eine besondere Teemischung und rät zu Spitzwegerichsaft.

Einmal erzähle ich ihm von Peters Magengeschwüren. Da gibt er mir gleich sechs Rezepte. Eins davon gefällt Peter sofort: „Eine Handvoll Wermut und Thymian in einem halben Liter Weißwein gekocht, morgens nüchtern getrunken,“ Peter probiert, trinkt, fällt um, schläft bis zum Mittag, wacht auf und  die Schmerzen sind weg.

Wir sind begeistert, der Onkel auch. Manches, was er schreibt, verstehe ich nicht, aber daran rühre ich nicht und achte es. Einen seiner sonderbaren Briefe, hebe ich auf, darin steht, „Bevor  ich etwas zu mir nehme, pendle ich. Alle Dinge strahlen bzw. werden durch Energie zur Sonne gehalten. Würde Brahma nur den Bruchteil einer Sekunde schlafen, würde die Welt zerfallen. Die Natur hilft sich selbst. Wenn aber des Menschen Geist und Glaube der Natur entgegen wirkt, entsteht ein Wunder.“

Na, das erscheint mir alles ein bisschen phantastisch, sehr verworren. Was hat er sich da zusammen gereimt? Wie sieht er die Welt?

Seine Rezepte aber wirken und wirken weiter. Ich denke, „es gibt Dinge, die wir nicht verstehen, müssen wir das?“

Als die Großmutter, seine 87jährige Mutter stirbt, findet er sich nicht mehr zurecht, nimmt sich wenige Wochen später das Leben. Auch daran rühre ich nicht,  achte es.

Meine Freundin Carla erzählt mir kürzlich aufgeregt, sie hat vor drei Tagen ein Pendel mit Anleitung und Deutungen erhalten, hat herum probiert, Krankheitsbilder und Leistungsvorlieben ihrer Familie bestätigt bekommen, ist verwundert und beeindruckt. Ja warum auch nicht. Sie freut sich, dass ich sie bestärke und ihr sage, ich glaube das, auch wenn ich es nicht verstehe.

Skeptikern kann ich nur raten: „Setze dich im japanischen Garten vor den steinernen Wasserfall. Warte! Du wirst spüren, wie Energie in dich eindringt und sich in deinem Körper ausbreitet.“ Du glaubst mir nicht? Probiere es! Auf dieses Phänomen hat mich mein durch und durch rationaler Sohn aufmerksam gemacht, er, der weder an spirituelle Dinge glaubt noch mit fernöstlicher Medizin Erfahrungen gesammelt hat. Onkel Heinrichs Kräutermixturen haben jedenfalls auch ihm geholfen, damals als er noch ein kleiner Junge war.

 

 

Lieblingstier?                                                          

Da kann ich mich nicht festlegen, ich habe zwei.

Meine graue Katze ist eine alte Dame, anhänglich und brav, der schwarzbefleckte weiße Kater dagegen  halbstark, aufdringlich und übermütig.  Seine Streiche sollen hier zu Wort kommen.

Im Morgengrauen klopft er so lange an die Badezimmertür, bis ich ihm öffne. Dann folgt er mir wie ein Hündchen, streicht mir um die Beine, bis ich seiner Bitte nachgebe, mich setze und ihn auf den Schoß nehme. Sofort drängt er seinen dicken Schädel in meine Hand, schubst und stupst, bis ich sein hochgerecktes Kinn kraule. Behaglich fängt er an zu schnurren und dann beginnt er, meine Finger zu beknabbern, bis  mir das zu heftig wird. Er fängt sich einen Klaps, springt vom Schoß und schreitet mit hoch erhobenem Schwanz davon.

Einen Moment habe ich Ruhe. Frühstück soll bereitet werden. Kaum nähere ich mich der Küche, zieht er  wieder,  bis  er die Nase in sein Futter stecken kann, in Achten um meine Beine.

 Jetzt bin ich dran. Erst wenn ich sitze, erscheint die Graue, macht sich an ihren Napf und ich mich an meine Zeitung. Sind die Katzen satt, setzen sie sich vor die Balkontür. Ich lasse mich nicht stören, spüre aber  die wachsende Ungeduld des Katers, der sich von Zeit zu Zeit umsieht: „ Bist Du nun bald fertig?“  Nein, ich bin bei einem fiktiven Interview mit Goethe hängen geblieben. Dem Kater dauert es zu lange, er fängt an, die Scheibe zu betrommeln.  Muss ich noch sagen, aus ist´s mit Lesen? Ich lass die Katzen hinaus und räume die Wohnung  auf. Die Graue knabbert ein wenig am Katzengras und lässt mich dabei nicht aus ihrem Blickwinkel, sie will auf keinen Fall ausgesperrt werden. Dem Kater ist das egal, er  beäugt die Meisen über sich auf dem Dachrand und lässt von Zeit zu Zeit mit zitterndem Unterkiefer kleine empörte mautzige Laute hören.  Als die Vögel auf den nächsten Balkon fliegen, stellt er sich an der Brüstung auf die Hinterbeine, reckt sich und langt mit der Pfote auf den Rand. Keine Chance mein Lieber! Kleine spitze Abwehrstäbchen, damit hat er schon schmerzhaft Bekanntschaft gemacht,  verhindern den Abstecher zu meinen Nachbarn.

Der Kater setzt sich und beobachtet Leute, Autos, auch Hunde. Auf die reagiert er nicht, er kennt sie noch nicht. Jetzt soll er hereinkommen, genug gelüftet. Er aber reagiert nicht, sieht mich  an und dreht gelangweilt seinen Kopf wieder weg, bleibt sitzen. Ich schließe die Tür und setze mich an meinen Computer.

Plötzlich schreit der Kater jämmerlich, draußen lärmt das Müllauto, ich reiße die Tür auf, er rast ins Zimmer und versteckt sich hinter dem Sofa. Dahin verschwindet er auch, wenn  die Türglocke läutet, das Handy schrillt, der Wecker  schellt.

Nur vor dem Staubsauger sucht er einen anderen Ort, die Badewanne. Da s weiß er, dass dort nie gesaugt wird.

Mittagsschlaf kann ich nicht alleine machen. Die Katze benutzt ihr Körbchen, er aber springt mir auf den Bauch, rekelt sich, legt mir eine Pfote ins Gesicht und nach einer Weile schnarcht er. Irgendwann wache ich auf, der dicke  Kater lastet schlafend auf meinen Beinen und  hat dafür gesorgt, dass die noch ein bisschen länger schlafen.

Abends kommt der freche Kerl in Spiellaune. Kaum habe ich mich mit einem Buch gesetzt, fängt er an zu stänkern, bewandert alle Möbel in der Hoffnung, etwas ist nicht am gewohnten Platz. Das schmeißt er runter. Findet er nichts, läuft er über die Schrankwand und angelt nach der Gitarre, greift in die Saiten. „Klirr!“ Schimpfend jage ich mit der Zeitung hinter ihm her. Er ist zufrieden. Ich bin sauer. Das Spiel wiederholt sich. Schließlich lege ich zum Schutz der Gitarre meinen großen Gymnastikball auf den Schrank, der Kater beäugt und beschnüffelt ihn, an dem kommt er nicht vorbei.  Jetzt ist er beleidigt!  Ich bin sicher, er findet etwas anderes, womit er mich ärgern kann. Spielzeug? Haben wir! Arrogant schaut er zu, wenn wir, die Graue und ich, uns damit vergnügen, er liebt eigene Spiele!           

 

 

Der Ausstand

ist eine noch bestehende Schuld oder das Ausscheiden aus einer Gemeinschaft, einem Dienst, einer Stellung.                             Im heutigen Fall  handelt es sich um  ein unliebsames Thema für einen Schreibzirkel, das ich gerne los wäre.                               Ich könnte es liegen lassen, wie ohne Abschied aus dem Patientenkreis meiner erfolglosen Zahnärztin verschwinden. Aber das Gewissen! Ein Blumenstrauß als Ausstand wäre geheuchelt, eine derbe Kritik berechtigt. Ich habe mich vor den haarigen Zähnen gedrückt.                                                                                                                                                                             Den Ausstand gebe ich in den     „Trödelstand der Wörter“:

Einstand, Aufstand und Bestand,

Anstand,  Handstand, Mittelstand

alles besser als so´n Ausstand!

Notstand, Abstand, Unterstand,

Beistand, Höchststand oder Sandstrand,

stopp, der passt nicht, Unverstand!

Vorstand, Leerstand, Zwischenstand,

vielleicht gefüllter Kontostand.

Lego- und Scharaffenland

passt wieder nicht, ist ohn` Verstand.

Ich werd bei meiner Meinung bleiben

         und über Ausstand gar nichts schreiben.        

 

 

Was ist denn das?

Früh um sieben, bevor die angekündigte Schwüle ihren feuchtwarmen Würgegriff  ausgefahren hat, sitze ich  auf dem Balkon, trinke meinen Morgenkaffe und beäuge die Himmelsetagen.

Ganz oben steht ein dunstig weißer  Mond mit grauen Schatten und ausgefranstem Rand vor hellblauem Himmel. Tiefer ein Flugzeug. Schnurgerade zieht es einen weißen Kondensstreifen hinter sich her, der lange in den fedrigen hohen Wolken sichtbar bleibt.  Unter ihm in entgegengesetzter Richtung ein  Flieger, mit erkennbaren Konturen, hörbar, überfliegt mich, wohin geht es? Darunter, doch hoch in der Luft  segelt eine Schwalbe. Ist das mein Gegenüber aus dem lehmigen Nest an der Dachkannte?          Ein tief taumelnder Starenschwarm  lässt sich schwatzend in der großen Pappel am Wiesenweg nieder, schon ist er wieder auf und davon, nur die Pappelblätter zittern noch im  leisen Wind.                                                                                                                 Auf der Wiese tauchen die ersten Hunde auf, laufen frei  oder geführt, oder zerren  ihre Besitzer.                                                  Der Kater hat es sich auf dem Liegestuhl gemütlich gemacht. Wenn er die lila Blütenstände beäugt, ist Vorsicht geboten. Eine  dicke Hummel  nascht  an den leuchtenden Blüten. Es ist unwahrscheinlich, dass der Kater sie erwischt, aber Fliegen hat er schon gefangen. Vorsichtshalber setze ich mich näher, um Schlimmes zu verhindern.                                                                                  Aber was ist das eigentlich, was da so prächtig  wächst und mit strahlend lila Blütenähren prahlt? Eingeschleppt mit anderen Pflanzen, hat es im Kübel überwintert und neu ausgeschlagen.  Blutweiderich, habe ich gelernt,  kann es nicht sein, der wächst in Wassernähe.Seitenweise finden sich im Internet  Bilder mit lila Blütenständen verschiedenster Zierpflanzen. Meine Hummelwirte sind nicht dabei. Die Nachbarin kommt und sagt: „ Wie die heißen weiß ich nicht, aber sie wachsen an Grabenrändern und auf feuchten Wiesen.“  Also doch Blutweiderich, den hätte ich im Gartenkübel nicht erwartet“, staune ich, suche und finde in alten Bestimmungsbüchern tatsächlich Blutweiderich und lese verwundert:                                                                                               Die prächtige Pflanze wird verkannt, sie ist antibakteriell, blutstillend, kann Blutzucker senken, hilft bei  Verdauungsschwäche, Husten, Halsschmerzen und Hautentzündungen.                                                                                                                                  Na sowas, ich freue mich, dass ich den ungewöhnlichen Gast nicht nur geduldet sondern gepflegt und regelmäßig gewässert habe.                                                                                                 

 

 

Wo ich am liebsten Urlaub verbringe? Vielleicht im Schlaraffenland der Gebrüder Grimm?

Aber wo liegt es? Als Kind war mein liebster Ort das Dorf mit der immer gütigen Tante, die das dünne Stadtkind in den Ferien nach dem Krieg mit frischer Milch, Bratkartoffeln, Speck und saftigen Birnen aufpäppelte. Und es war der Duft der Pferde vor dem Wagen, wenn wir das Heu hochgetürmt einfuhren.

Später habe ich viele wunderbare Plätze kennen gelernt. Ich schwärme noch heute von der seidenweichen von Zitrusdüften gesättigten Luft Zyperns, dem durchdringenden Zikadenton in der Weite der abenddurchglühten Sahara, den tiefhängenden wechselnden Wolken über liladunklem schottischen Hochland, er in der Ferne im Lösstaub sich verlierenden chinesischen Mauer,     den mit Adonisröschen besäten Hänge an der Oder, dem ruhig fließenden  Strom. Und immer habe ich den starken Zug der Ostsee gespürt.  Ich mag die See, wenn sie strahlend blau am Ende des vertrauten Birkenweges wie in einem Fenster auftaucht, sie gefällt mir, ob sie nun auf schmalem Sandstrand die Füße umspielt oder ob mich ein starker Wind beutelt und mit Gischt übersät.  Ist das Schlaraffenland dabei?                                                                                                                                                

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb darüber:

…. Und von Kuchen, Butterwecken,
sind die Zweige voll und schwer
Feigen wachsen in den Hecken,
Ananas im Busch umher
Keiner darf sich müh´n  und bücken,
alles stellt von selbst sich ein
Oh, wie ist es zum Entzücken,
Ei, wer möchte dort nicht sein…. 

Ich nicht. Und das gibt es nicht, dieses Land, wo dem Faulen die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wäre es erstrebenswert dort zu leben? Bin ich nicht glücklich, wenn ich ein Ziel erreicht, eine Aufgabe gemeistert, mich  mit Gleichgesinnten ausgetauscht habe?

Ich bin nicht naiv und weiß, es gibt Leute die sich  verhalten, als hätten sie alle Reichtümer der Welt gepachtet, als stünde es ihnen zu,  sich auf Kosten anderer zu mästen. Wenn sich dann noch nicht selten Kapital mit Macht paart, werden sie unersättlich, kommt Dummheit dazu, entsteht eine gefährliche explosive Mischung.

 Soweit haben die Gebrüder Grimm nicht gedacht, wohl eher Karl Marx und Friedrich Engels, die schon vor langer Zeit die Zusammenhänge durchschaut haben und dabei Trump noch nicht einmal kannten. 

Also nicht Schlaraffenland als gewünschter Ort, nicht einmal im Urlaub! Ja wohin dann?

 Ernst Busch und Hans Eisler hatten eine Vision, mein Chor hat sie auch, wenn wir singen:

Es soll nunmehr ein Lied gesungen werden,
das Kunde bringt von einer neuen Zeit,
und einem wunderbaren Land auf Erden,
das leuchtend stieg aus der Vergangenheit.
Wo ist das Land, das Wunderland gelegen,
von dem das Volk in seinen Liedern singt.
und was gereichte diesem Land zum Segen,
das aller Welt so frohe Botschaft bringt?
Nicht in der Ferne sehn das Land wir liegen,
in unserm Herzen liegt’ s, in unsrer Hand;
hier liegt es, bis es leuchtend uns entstiegen.
In jedem Land liegt solch ein Wunderland.
Laßt von dem Land,dem Wunderland, uns singen,
das sich vor allen Ländern glücklich preist!
Und gute Taten gilt es zu vollbringen,
daß dieses Land auch einmal Deutschland heißt
.        

  

 

Doppelgänger

Ein Doppelgänger ist ein Mensch, der einem anderen von Natur aus zum Verwechseln ähnlich sieht, so dass es tatsächlich zu Zweifeln an seiner Identität kommen kann .Anders bei einem Double, das ist nur der Versuch einer gezielten Kopie der äußeren Erscheinung eines Menschen .                                                                                                                                                     Politiker, Schauspieler, Sänger werden aus unterschiedlichsten Gründen gedoubelt, am häufigsten wahrscheinlich Elvis Presley. Gleich zwei davon sind bei Steffis 50iger Jahresparty aufgetreten. Die Ähnlichkeit hielt sich in Grenzen.

Echte Doppelgänger kommen nur bei eineiigen Zwillingen vor.

Maria und Erika K. haben am gleichen Tag Geburtstag, Zwillinge, sagt die Mutter. Das kann ich nicht glauben, kein bisschen Ähnlichkeit, Maria braunhaarig, groß und Erika blond, zierlich. Sie gleichen sich kein bisschen. Dazu ist Maria laut und bestimmt immer was wir spielen. Erika dagegen hält sich zurück und wird als letzte beim Völkerball in eine Mannschaft gewählt. Wirklich Zwillinge?

Jahre später kommen Dieter und Detlef in meine Klasse, sie gleichen sich so sehr, dass ich sie nicht zuverlässig unterscheiden kann. Nebeneinander erkenne ich Dieter an seiner breiteren Stirn und Detlef am tiefer sitzenden Haarwirbel, aber einzeln? Selbst ihre Stimmen klingen gleich. Wenn sie jemals ihre Sitzplätze getauscht haben sollten, mir ist das nicht aufgefallen.

So war es mir auch mit den Krause Zwillingen in unserem BlockflötenQuartett. Erst wenn die eine die Sopranflöte und die andere ihre Altflöte ausgepackt hatte, traute ich mich, sie mit ihren Namen anzusprechen.

Als wir vor Jahren in der Friedrichshainer Schulinspektion  Bewerbungsunterlagen für den Besuch der Erweiterten Oberschule sichteten, stimmten die Zeugnisse zweier Mädchen aus einer Klasse nicht nur in den sehr guten Zensuren völlig überein, die Klassenlehrerin hatte beiden eine makellose wortgleiche Beurteilung verpasst und weigerte sich auf Nachfrage, auch nur das Geringste daran zu verändern.Die betroffenen Mädchen hatten offensichtlich nicht nur die gleichen Gene, sie waren auch nicht, wie Kästners Doppeltes Lottchen, in unterschiedlicher  Umwelt aufgewachsen.                                                                                      Wie entschieden wurde? Die Zeugnisse blieben gültig, beide Mädchen wurden zugelassen, aber in unterschiedlichen Klassen untergebracht.

Bis heute habe ich so meine Probleme mit Zwillingen.

Hartmut und Reinhard in unserem Chor kann ich kaum auseinander halten. Sie sind bei uns die Kümmerer vom Dienst, meistern unsere Technik, packen zu, unlösbare Aufgaben scheinen sie nicht zu kennen, bewundernswert.

 

 

Der kleine Fuchs und die Elfenbeintürme

„Mama, was ist ein Elfenbeinturm?“, fragt der kleine Fuchs.

„Der Elfenbeinturm ist Phantasie, es gibt ihn nicht wirklich. Wer im Elfenbeinturm lebt befasst sich mit eigenen  Gedanken, wobei er die tatsächliche Welt vergisst und sich seine eigene macht. „Wie kommst Du darauf?“  

„Unser Vetter der Löffelhund-Großohrfuchs hat erzählt, dass in Kenia Elfenbeintürme gebrannt haben.“

„Das ist leider keine Vorstellung sondern eine ganz traurige Geschichte. Da haben tatsächlich Türme aus Elfenbein gebrannt.“

„Was ist Elfenbein?“

„Du hast im Tierpark Elefanten gesehen?“

„Ja sie waren riesig groß, haben gerade gefressen, mit dem Rüssel ganze Heubüschel  gegriffen und sich   ins Maul gestopft. Manche hatten dicke lange Stoßzähne.“

„Und diese werden in ihnen in ihrer Heimat zum Verhängnis, “ erklärt die Mutter.“ „Wegen dieser Zähne werden sie von Wilderern verfolgt, gejagt und erschlagen. Man bricht sie ihnen aus, um sie als wertvolles Elfenbein zu verkaufen. Die Elfenbeintürme in Kenia, von denen der Vetter erzählt hat, waren meterhohe Scheiterhaufen aus aufgetürmten Stoßzähnen von ungefähr Achttausend  Elefanten, alle erschossen, erschlagen und die Körper einfach liegengelassen.“

„Wegen der Zähne? Das ist ja schrecklich. Kann  man nichts dagegen tun?“

„Die Tiere leben in Maasai Mara, einem riesigen Naturschutzpark in Kenia. Wildhüter versuchen, sie zu schützen. Aber nachts kommen Banditen, erschießen die Elefanten und nicht selten auch die Menschen, die sie daran hindern wollen. Wenn man diese Gauner nicht stoppen kann, wird es dort  in zehn Jahren  keine Elefanten mehr geben. Natürlich ist ein lebender Elefant wertvoller als seine Zähne. Das sieht die Regierung des Landes genauso, nicht aber die Elfenbeinjäger, die damit unvorstellbar viel Geld verdienen. Sie beschaffen Waffen, rüsten damit Terrorgruppen aus, schüren bewaffnete Kämpfe, um möglichst ungestört ihre Untaten ausführen zu können.“

„Wer kauft ihnen das Elfenbein ab?“, fragt der Kleine.

„Es gibt besonders in Asien ganze Banden von Schleichhändlern, die daran verdienen. Sie lassen aus dem Elfenbein religiöse Gegenstände, Schmuck, Kunstschnitzereien anfertigen, die das sogenannte weiße Gold noch wertvoller machen.“

„Und was haben die davon?“

„Sie verkaufen es teuer weiter, weil es Menschen gibt, bei denen es seit Jahrhunderten so üblich ist, Elfenbeinschätze zu besitzen und sich damit Ansehen und Geltung zu verschaffen.“

„Ganz schön dumm! Ich dachte Beachtung bekommt der Mensch durch Anstrengung und Leistung.“ „Ja, aber Reichtum und Macht sind große Verführer. Und Jahrhunderte alte Sitten und Gewohnheiten sind nicht leicht zu überwinden. Denk nur wie schwer es ist, den Walfang und die Delfinjagd abzuschaffen oder wie an vielen Plätzen der Welt religiöse Traditionen ausgenutzt werden, um ganze Völker aufeinander zu hetzen. Immer geht es dabei um Macht und Geld!“

„Geld?“, fragt der kleine Fuchs nach, „ War es dann richtig, das viele Elfenbein zu verbrennen? Es  soll einen Wert von 150 Millionen Dollar gehabt haben. Hätte das Land dieses Geld nicht gebraucht? So sind die Elefanten ganz umsonst gestorben!“

„Darüber muss ich nachdenken“, überlegt die Mutter. „Wenn daraus Kunstwerke für ein Museum gemacht oder mahnende Ausstellungen eingerichtet worden wären, hätten sich das Besucher aus aller Welt ansehen können. Trotzdem meine ich, es war richtig, das gestohlene Elfenbein zu vernichten, damit wäre sonst wieder Geld verdient worden und das Abschlachten der Riesen hätte nachträglich noch eine Rechtfertigung erfahren. Das Verbrennen war eindeutig, war ein Zeichen, dass das Land nicht am illegalen Elfenbeinhandel verdienen will, dass ihm die lebenden Elefanten  wichtiger sind, unendlich mehr bedeuten als nur ihr Elfenbein.“

„Und verstehen die Menschen dieses Zeichen?“, möchte der Sohn wissen.

„Nicht alle. Wer daran bisher verdient hat, will nicht verstehen. Wer denkt, dass sich Menschen durch Zeichen und Appelle ändern, der lebt, wie man so sagt, im Elfenbeinturm.

Für das Überleben der Elefanten ist das Verbot des Elfenbeinhandels in allen Ländern der Welt die einzige Hoffnung.“     

 

 

Der kleine Fuchs und die Smombies

Früher war alles besser? Sicherlich nicht, alle zwanzig Jahre, sagte mein Lehrer, verdoppelt sich das Wissen der Menschheit. Das wird wohl so sein.                                                                                                                                                                            Jeder hat die Möglichkeit, von diesem Wissen zu schöpfen, sich weltweit über Gentechnik, Quantenphysik, Gravitationswellen zu informieren. Wenn ich verstehe,  verinnerliche, mit anderen austausche, kann daraus persönliches Wissen werden. Keiner wird automatisch klüger.                                                                                                                                                                          Über das Wachsen von Moral und Benehmen hat mein Lehrer in diesem Zusammenhang nichts erwähnt. Mir scheint da wenig gewachsen zu sein. Alle wollen mitreden über Moral und Ethik, Toleranz und Humanismus. Auch in diesen Fragen sind der eigene Kopf, Austausch und Erfahrung gefragt. Die Gefahren, die von den verschiedensten missionierenden Moralaposteln ausgehen, wenn sie ihre Weltsicht als allein selig machend preisen und den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren schlagen, werden unterschätzt.

Menschen drängen und schieben in die U-Bahn, zwischen meinen Füßen kauert der kleine Fuchs. Niemand sieht ihn, denn die Leute starren auf ihr Smartphone, egal ob stehend oder sitzend, unentwegt.                                                                                          Beim Halt springt ein junger Mann im letzten Moment von seinem Platz auf, rempelt eine schwangere Frau an, beschimpft sie, sie steht ihm im Weg. Hätte er ihr nicht seinen Platz anbieten können?                                                                                                  Ein Kind greint in seinem modischen Buggy. Die Mutter sieht unwillig vom Mobiltelefon auf, greift in die Handtasche, zieht ein zweites Handy heraus, schaltet ein und drückt es dem Kind in die Hand, Stille. Ich fühle mich fast so schlecht wie vor zehn Jahren, als eine Mutter ihr weinendes Kind mit Füßen stieß. Damals habe ich eingegriffen, heute traue ich mich nicht. Ich kann ihre Reaktion nicht einschätzen. An der nächsten Station steigt sie aus, eine Hand bedient das Smartphone, mit der anderen schiebt sie eilig die Sportkarre zum Fahrstuhl. Gut dass es den jetzt gibt und dass er funktioniert. Sie kann kaum damit rechnen, dass ihr jemand helfen würde, den Wagen über die Treppe zu bugsieren. Jeder Smombie würde sie stehen lassen. Der meint das nicht böse, er sieht sie nur nicht. Er starrt auf sein hoch intelligentes Technikwunder.

„Ist das Smartphone ein böser Traum, der die Menschen gefangen hält?“, fragt der kleine Fuchs.                                                  „Mir scheint, eine böse Fee hat den Menschen eine Haut übergestreift und ihre Sinne gefangen, um sie aus der realen Welt zu verbannen,“ antworte ich, „sie reden nicht mehr miteinander.“                                                                                                       „Was ist zu tun?“                                                                                                                                                                                „Ich weiß es nicht, Warnschilder und Verbote helfen nicht“.                                                                                                          „Belöffeln durch die Erzeugerfraktion auch nicht, “ lacht der Fuchs, „ich erfinde eine App, die auf Problemiker, Denkzwerge, Keulen, Smombies und Tastenhengste einen hackenden Raben ansetzt.“                                                                                                    „Mit solcher App ist das Problem nicht zu lösen, dazu muss ja schon wieder das Smartphone herhalten“, reagiere ich.

Zu Hause fange ich an zu grübeln. Ist die Ablehnung solcher Geräte nur ein Problem der älteren Generation?                           Könnte man die Dinger nicht wieder abschaffen? Die Menschen würden wieder Briefe schreiben, sich pünktlich verabreden, direkt miteinander sprechen, sich zuhören. Andererseits kann man theoretisch mit einem Smartphone jeden anderen Nutzer auf der Welt erreichen und sich mit ihm in Verbindung setzen. Das kleine Wunder ist Computer, Bildschirm, Wiedergabegerät, Kamera und Mobiltelefon in einem.

Eine schwarz gekleidete Frau mit brennenden Augen hockt plötzlich auf meinem Bett und sagt böse: „Ich bin die Fee, von der du glaubst, dass sie die Menschen in eine Haut gesteckt hat, um sie an der Kommunikation zu hindern. Bist Du  wirklich so dumm, mir nicht mehr zuzutrauen? Meine Kraft ist märchenhaft  gewachsen und ich kann heute mehr als nur die Bewohner eines Schlosses in hundertjährigen Schlaf versenken. Ich habe da ganz andere Möglichkeiten. Wenn ich will, schicke ich eine SmartphonEmbolie über die Menschen  und  zwinge sie,  mir wie eine Herde Kühe zu folgen, meinen Befehlen zu gehorchen.“                                      Bestürzt starre ich sie an und bevor ich reagieren kann, schnipst sie mit den Fingern:„Fuß, Fuß!“ Entsetzt sehe ich, wie meine Finger schrumpfen, sich verdicken, verformen, behaaren, zu Fuchspfoten werden. Jetzt deutet sie noch mit Gemurmel auf mein Smartphone. Es schnellt vom Nachtisch, ich hinterher und wie ein Fuchs im Maussprung auf das Gerät. Packen kann ich es, aber mit den neuen Vorderfüßen lässt sich nicht einmal der Notruf bedienen.                                                                                                 Entsetzt fahre ich aus dem Schlaf. Meine Hände sind schweißnass, Menschenhände, keine Pfoten, Erleichterung. Ich richte mich auf, taste nach dem Smartphone und halte mitten in der Bewegung ein.                                                                                                 Auf den technischen Fortschritt möchte ich nicht verzichten. Muss ich mich deshalb völlig auf den Bildschirm fixieren, statt  die Kontakte zu echten Freunde zu pflegen?                                                                                                                                         Liegt es am Smartphone, wenn seine Nutzung zur Isolation des Menschen führt?                                                                                

  Es ist an der Zeit, nachzudenken.

Wer nur noch auf sein Smartphone starrt und von seiner Umwelt nichts mehr mitbekommt, ist ein "Smombie". Kombination aus Smartphone und Zombie. Ein Jugendwort des Jahres 2015     

                

                                                                                

Das Miststück

Laut rumpelte der Brauereiwagen über das Pflaster, gezogen von zwei kräftigen Kaltblütern. „Brrr“, machte Hannes, zog die Handbremse, befestigte die Leine am Kutschbock und kletterte steifbeinig von seinem Sitz. Noch bevor der Wirt mit dem Abladen der Fässer begann, warf Hannes den Pferden eine Decke über den Rücken, tränkte sie und hängte ihnen einen Hafersack vors Maul. Die beiden schnaubten leise, fraßen bedächtig.

Eine Spatzenschar kam herbei und besetzte den gegenüberliegenden Bordstein. War es die stets gleiche Ankunftszeit, der herbe Pferdegeruch oder das malende Kaugeräusch? Die Vögel waren pünktlich und warteten.

Aus dem Nachbarhaus kam ein kleines Mädchen gelaufen, bewaffnet mit einem Eimerchen und einer kleinen Schaufel. Die Spatzen flogen zeternd auf, um sich sogleich ein Stückchen weiter niederzulassen. Hinter einer Fensterscheibe lächelte der Großvater: „Immer wieder das gleiche Spiel!“

Die Futtersäcke wurden abgenommen, hoch gingen die Schwänze und warme Äpfel, wohlgeformt und rund kullerten dampfend auf das Pflaster. Die Spatzenschar stürzte sich darauf, hackte, pickte, zankte sich um die besten Bissen.

Jetzt kam das Mädchen, schaufelte in Windeseile was das Eimerchen nur fassen konnte und trug es fort in den kleinen Garten hinter dem Haus.

Zurück blieb das leergefegte Pflaster und eine schimpfende Spatzenschar:

„Blöde Hexe, altes Scheusal, dummes Miststück!“                                      




Peinlich

  • Kritik verdauen kann er nicht,
  • der Kerl empfindlich, zimperlich
  • ist wehleidig und weinerlich.
  • Ich denk klammheimlich: Peinlich
  •  
  • Putzen, scheuern, Schrank gerückt
  • pingelig bis kleinlich,
  • wischen, wedeln Frauenglück?
  • Die Frage find ich peinlich
  •  
  • Beschämendes und Lügen
  • die Meinungen verbiegen,
  • unkeusche Witze heimlich
  • sind augenscheinlich peinlich
  •  
  • Verse  mühsam  suchen
  • zum Bastelwortreimkuchen
  • sind  wahrscheinlich reimlich
  • und peinlich

 

 

Immer auf der Suche          

-mein Leben

Zuerst war meine Mutter auf der Suche - nach einem Namen. Sie war auf einen Jungen aus, Mädchennamen hatte sie keinen parat. Die Hebamme suchte statt ihrer, so wurde ich Edda.

In meinen Anfangsjahren suchte ich  Zuwendung. Ich fand sie beim Vater und beim  Großvater. Natürlich suchte ich auch andere Sachen, Kinder im Versteck, Eier unserer Hühner. Die hatten gleich einen Namen, Olga, die war weiß und die Braune hieß Minna.

Dann half ich, einen Bruder zu suchen und sang auf dem Hof: Klapperstorch du guter, bring mir einen Bruder. Siehe da, es klappte, der Storch hörte, biss die Mutter ins Bein, sie musste ein paar Tage im Bett liegen, aber der Bruder war da.

In der Schule suchte ich vor allem Vergnügen, bisschen was habe ich auch gelernt.

Als ich vierzehn Jahre alt war, suchte ich oft meinen Personalausweis. Fast immer fand ich ihn zwischen Socken und Pullovern in meinem knapp bemessenen Schrankfach. Wenn das Chaos kein Schließen der Tür mehr zuließ, fegte die Mutter mit einem langen Armzug, böse schimpfend, den Schrank leer. Missmutig suchte ich die Sachen im ganzen Zimmer zusammen und räumte sie wütend in den Schrank zurück.Hätte sie mir nicht besser helfen sollen, ein Ordnungssystem zu finden?

Dann brauchte ich einen passenden Beruf. Zuerst wollte ich Landwirt werden. Das gab ich nach meiner ersten Kartoffelsammelsuche als zu anstrengend wieder auf. Ich suchte nicht weiter, nahm den einzigen Beruf, den ich kannte und wurde Lehrer. Das war gut und es hat mir nie leid getan.

Bisschen später suchte ich nach einem Mann. Beim ersten war ich damit zu schnell, er war schön und dumm, hat mir außer einer liebenTochter nur Ärger eingebracht. Da hab ich mir einen neuen gesucht, der war richtig. Er hat mir einen klugen Sohn und 35 Jahre erfülltes Leben geschenkt.

Und jetzt?  Ich such noch so rum, damit ich Daseinsberechtigung und keine Langeweile habe. Manchmal habe ich Glück und finde einen schönen Augenblick oder eine Geschichte.

 


Ein Magier bin ich nicht

 

Gedanken lesen und erraten,

Zukunft deuten aus den Karten

kann ich nicht.

Prophezeien, offenbaren,

Glück  verheißen, Heil wahrsagen –

unheimlich !

Vorauserkennen das Geschehen

Kugel drehen und hellsehen?

Glaub ich nicht!

Ich kann mir was zusammenreimen,

voraus berechnen

und versprechen.

Doch ein Magier bin ich nicht,

ich seh nur bei hellem Licht.

 

 

Mausige Probleme

 

Zur Maus die weiße Katze spricht:

„Am dreizehnten, da fress ich dich!“

Der Mausmann lacht: „Da hab ich Schwein,

nur freitags schüchterst du mich ein.“

Die Mäusin piepst mit Angstgesicht:

„Die Morgenspinne warnte mich

 vor Kummer und vor großen Sorgen,

bleibe besser gut verborgen!“

„Ach was“, tönt da der Mauserich,

am Schornsteinfegerhosenbein

da ruße ich mich dunkel ein,

steck Vierblattklee auf meinen Hut,

sie sieht mich nicht und mir geht`s gut.

Dann spuck ich dreimal kräftig,

die Kätzin rutscht recht heftig

in der glatten Spucke aus

und ich stolzier vergnügt nach Haus!“

Doch jetzt -  erstarrt der arme Wicht -

er ruckt sich nicht, er rührt sich nicht.

Ein schwarzer Kater geht vorbei,

beendet ist die Prahlerei.

                            

 

Im Schrank

 

Wachsender Schreck,

die Katze ist weg.

Weder mein Rufen,

noch emsiges Suchen

hilft. Verschwunden

seit Stunden

ist meine Katze.

Der Nachbar hat se

auch nicht gesehn.

Was ist geschehn?

Plagt sie ein Verlangen?                   

Spazieren gegangen?                       

Da jammert es leise

aus meinem Schrank,

na Gottseidank.

 

 

Der Grünspecht

Grün ist der Grünspecht, grüner geht es nun nicht,

knallrote Kappe, Räubermaskengesicht,

schallendes Lachen wie: kjück, kjück, kjück, kjück,

es klingt auch ein wenig nach: glück, glück, glück, glück.

Dir folgt, und du kannst da weiter nichts machen,

sein eindringlich ausdauernd gellendes Lachen.

Ich denke bestürzt, meint er wohl mich?

Doch da fällt mir ein, er kennt mich ja nicht.

Er trommelt nur selten, bohrt in der Erde

nach Ameisenpuppen, dass satt er werde.

Bruthöhlen baut er in Eichen und Linden,

ist sommers wie winters bei uns zu finden.

Wieder lacht er und wieder und wieder,

Frau Grünspecht bewunderts, auch sein grünes Gefieder.

Ich lach vergnüglich, denn der Grüne, du weißt,

spitznamig „Lachender Hans“ bei uns heißt.

 

 

 

 

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